Autor:
bee-eater
Short summary:
Ein Besuch an der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik in Linz, wo drei Generationen an einer tieferen Verbindung zur Natur arbeiten. Wieder einmal bewahrheit sich, dass regeneratives Wirken in Städten und Schulen einen zentralen Anker finden muss.
Das jährliche Treffen der professionellen Naturvermittler, welches im Feber in der tiefverschneiten St. Martins Therme im Burgenland stattgefunden hat, führte uns unerwarteterweise an die Bildungsanstalt für Elementarpädagogik Linz, wo Claudia Troja seit 26 Jahren Biologie unterrichtet.
Mit Claudia verbinden mich mehrere Themenkreise: die angewandte Umweltbildung, die Logotherapie nach Viktor Frankl und das Leben zwischen zwei Kulturen. Unserem Kennenlernen im Burgenland folgten mehrere lange Emails, in denen wir unseren Weg in die Umweltpädagogik erklärten, und schließlich die Einladung, ihren Schulgarten am Bafep Linz zu besuchen.
Schon im Gespräch in der St. Martins Therme ist mir aufgefallen, dass Claudia ortsbezogene Bildung praktiziert, aber so wie viele andere Pädagogen hierzulande vom Begriff und der strukturierten Methode noch nichts gehört hat. Es war naheliegend der ihre Arbeit vor Ort kennenzulernen, um zu verstehen, warum die breitere Verankerung im formellen Bildungssystem nicht funktioniert.
Claudia ist wie ich selbst gebürtige Linzerin und litt in ihrer Kindheit unter der schweren industriellen Verschmutzung der Stadt. Wir waren beide an Asthma erkrankt und unser Fokus auf die angewandete Umweltpädagogik findet in dieser frühen Erfahrung eine wichtige Ursache. Claudia studierte Lehramt für Biologie in Salzburg und begann unmittelbar nach ihrem Abschluß an der Bafep Linz zu unterrichten.
Im Jahr 2018 nahm sie sich eine Auszeit und entschied ihren Unterrichtsfokus auf Naturerfahrung zu verlagern, und jene Bildungselemente in den Unterricht zu integrieren, welche „mit ein wenig Hausverstand“ einen fixen Platz haben sollten. Im Kern ging es Claudia darum, Natur erfahrbar zu machen, anstatt nur über sie im Unterricht zu reden. So sollte der Aufbau einer Blüte nicht von einem Bild im Lehrbuch gelernt werden, sondern durch die Untersuchung einer echten Blüte.
Aus der Idee entstand schnell ein pädagogischer Plan, der mittlerweile einen Schulungswald und eine Schulungsgarten umfasst. Beide Lernorte werden von Claudia in den Unterricht der angehenden Kindergarten Lehrkräfte über 5 Jahre hinweg eingebunden. So gehen die Schüler:innen beispielsweise im vierten Jahr in den Schulungswald während im zweiten Jahr die Schulumgebung erkundet wird und die Pflanzenkeimung hands-on studiert wird.
Der Schulungsgarten wurde 2018 auf 1400m2 Fläche direkt neben dem Schulgebäude begonnen. 60 Lehrer:innen und 600 Schüler:innen halfen zusammen, um die grundlegenden Arbeiten zu erledigen. Eltern stellten Materialien zur Verfügung und der Onkel einer Schülerin ermöglichte einen professionellen gartenarchitektonischen Plan, der den Ideenwettbewerb der Schüler:innen integrierte.
Das Besondere an einem Kindergarten Kolleg ist die Einbindung von drei Generationen in den pädagogischen Prozess, welcher sehr an indigenes Lernen erinnert bzw in unseren formellen Bildungsstrukturen am ehesten an das indigene Lernen heranreicht. Während an einer „normalen“ Schule der Lehrkörper und die Schüler jeweils eine Generation verkörpern, wird an der Bafep im Übungskindergarten eine dritte Generation integriert. Im Falle von Claudia, die nach 26 Lehrtätigkeit nicht mehr lange bis zur Pension hat, könnte man sogar von vier Generationen sprechen.
Zurück zum Schulungswald. Dieser wird vom vierten Jahrgang jede Woche von einem anderen Schülerteam besucht. Am Vormittag begleiten die Schüler:innen eine Gruppe von Kleinkindern aus dem Übungskindergarten und beobachten diese bei ihren Erfahrungen im Wald. Am Nachmittag führt Claudia Troia mit den Schüler:innen eine Reflektionsrunde durch, wo die Beobachtungen besprochen werden.
Gerade diese Schilderung hat mich an sehr an mein Bild für die Zukunft des Bildungswesens erinnert, in dem „elders“ wie Claudia, young adults sanft führen, um der nächsten Generation den Respekt vor und die Verbindung zur Natur erfahren zu lassen. Es besteht für mich kein Zweifel, dass die industriellen Baujahrschablonen durch das rapide Voranschreiten der künstlichen Intelligenz unsere formellen Bildungssysteme durchbrechen werden. In Bafeps, die naturnah unterrichten wie in Linz, kann man schon jetzt einen Blick in die Zukunft der Bildung werfen.

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Weiterlesen:
- BAFEP Linz: https://www.bafep-linz.at/
- On Education Crisis and Prisoner’s Dilemma: https://www.researchgate.net/publication/358395949_On_Education_Crisis_and_Prisoner's_Dilemma
- Unlocking Human Potential Through Play: https://www.researchgate.net/publication/351067535_Unlocking_Human_Potential_Through_Play
- On Nature Alienation & Nature Alignment: https://www.researchgate.net/publication/391521327_On_Nature_Alienation_Nature_Alignment
- A Path towards holistic Adulthood with Bill Plotkin: https://www.youtube.com/watch?v=S25UKlLq5m8
- Daniel Wahl: Reconnecting to place for planetary health
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