Autor:
Gerda Sammer-Schmidt
Short summary:
Mehr als 200 Kinder und Jugendliche aus Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien haben Bad Radkersburg in ein lebendiges, grenzüberschreitendes Klassenzimmer verwandelt. Beim Aktionstag des Projekts „Mura Calling“ wurde der gemeinsame Biosphärenraum entlang der Mur erkundet.
BAD RADKERSBURG. Acht Schulen aus der Region – darunter das BORG und die iHTL Radkersburg, das Gymnasium Ljutomer sowie Volks- und Mittelschulen aus Bad Radkersburg, Gornja Radgona und Apače – arbeiteten gemeinsam mit internationalen Partnern an einem innovativen Lernformat: raus aus dem Klassenzimmer, hinein in Landschaft, Stadt und Begegnung.
Vom LERNEN, DAS GRENZEN ÜBERWINDET
In gemischten Gruppen erkundeten die SchülerInnen entlang verschiedener Lernrouten Natur, Kultur und regionale Zusammenhänge. Unterstützt wurde das ortsbezogene Lernen durch die digitale Anwendung „Green Steps ARK“, die den Lernraum nahtlos vom Klassenzimmer in die Umgebung erweitert. Der Ansatz, so die Projektverantwortlichen, hat sich auch mit vielen TeilnehmerInnen in der Praxis gut bewährt und gleichzeitig wichtige Impulse für die Weiterentwicklung geliefert.
Besonders aufgefallen ist, wie engagiert die älteren Schülerinnen und Schüler waren: Sie haben als Guides Verantwortung übernommen, die Jüngeren unterstützt und den Ablauf aktiv mitgestaltet – ein anschauliches Beispiel für Lernen auf Augenhöhe. Möglich wurde diese intensive schulische Zusammenarbeit durch das Engagement von BORG-Professorin Nina Voglmeir. Auch Direktor Hannes Schuster stand hinter dem Projekt.
BEGEGNUNGEN, DIE NACHHALTIG BEWEGEN
Ein besonderer Höhepunkt war die Performance „Raus aus dem Schneckenhaus“ mit Kindergartenkindern aus Österreich und Slowenien – eine berührende, generationenübergreifende Erfahrung, die den Geist des Projekts sichtbar machte.
Am Frauenplatz in Bad Radkersburg präsentierten die Kinder und Jugendlichen schließlich ihre Eindrücke und formulierten ihre Wünsche für die Zukunft des Biosphärenraums auf Holztafeln. Die Vielfalt der Botschaften – von „Peace for everyone“ bis „Be grateful for every moment“ – spiegelte sich auch in der sprachlichen Vielfalt wider: von Deutsch und Slowenisch bis hin zu Italienisch und Chinesisch. Die Moderation übernahm Niklas Sieger vom BORG Bad Radkersburg.
Simon Balazic, Initiator des Vereins „Mura Rafting" sowie TV-Senderbetreiber aus Murska Sobota, und Franz Nahrada, Regionalentwickler, Zukunftsgestalter und Vorsitzender des Vereins „DorfUni" in Bad Radkersburg, haben gemeinsam mit Freunden das EU-geförderte Projekt „Mura Calling“ ins Leben gerufen. Koordiniert und dokumentiert wird das Projekt auf österreichischer Seite von Gabriela Markovic, einer ehemaligen Greenpeace-Koordinatorin, die ihre Erfahrung in Umwelt- und Bildungsprojekten einbringt.
Gemeinsamer Start auf der Liebesinsel
Gemeinsam mit Franz Nahrada, Mitinitiator Manfred Mikl sowie Nina Voglmeir, Cornelia Ladenhauf und weiteren Lehrpersonen des BORG Bad Radkersburg wurde der österreichische Aktionstag zum vollen Erfolg. Der Auftakt fand bereits im vergangenen Oktober in Slowenien statt, genauer gesagt auf der sogenannten Liebesinsel in Izakovski, zu der die österreichischen Schülerinnen und Schüler von Bad Radkersburg mit dem Schlauchboot fuhren. Dort lernten sie jene slowenischen Schülerinnen und Schüler kennen, mit denen sie auch nun den österreichischen Aktionstag in Bad Radkersburg verbrachten.
Zivilgesellschaft als Motor der Region
Der Aktionstag in Bad radkersburg zeigte, dass grenzüberschreitende Zusammenarbeit nicht nur von Institutionen kommt, sondern vor allem von Schulen, Vereinen und engagierten Einzelpersonen lebt. Auch Verantwortliche aus Politik und Gesellschaft, darunter Vizebürgermeisterin Julia Paar, Regionalmanager Michael Fend und Biosphärenparkmanager Andreas Schuster waren vor Ort und betonten die Bedeutung solcher Initiativen für die regionale Entwicklung.
Michael Fend, Geschäftsführer des Regionalmanagements Südoststeiermark, bestätigte, dass solche Prozesse „sich nicht von ein paar Leuten im Büro planen und entscheiden lassen“, und verwies auf einen Holztafel-Wunsch der Jugendlichen: „If you don’t try, you never know“. Julia Paar bedankte sich bei den OrganisatorInnen und meinte: „Man spürt die Energie, wenn man hier hereinkommt.“
Neues Projekt „Mura Rafting“ geplant
Der Aktionstag war mehr als ein einmaliges Treffen – das zeigte sich beim abschließenden Austausch im Pavelhaus. VertreterInnen aus vier Ländern sprachen dort über konkrete nächste Schritte und die weitere Entwicklung des Projekts. Im Mittelpunkt standen vor allem die stärkere Vernetzung von Schulen und Gemeinden. Schon in Planung ist ein weiteres gemeinsames Format entlang der Mur: eine grenzüberschreitende Begegnung flussabwärts im kommenden Frühsommer, organisiert vom slowenischen Projektpartner „Mura Rafting“.
„Mura Calling“ zeigt, wie junge Menschen ihre Region als gemeinsamen Lebens- und Zukunftsraum verstehen und mitgestalten können. Die kooperative Entwicklung im Biosphärenraum ist jedenfalls auf gutem Weg. Und was in Bad Radkersburg angestoßen wurde, könnte künftig weit über die Region hinaus zum Tragen kommen.
